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 Die Psychohistorie, in den USA seit langem im akademischen Rahmen verankert, steht derzeit auch in Deutschland vor dem Durchbruch zur Anerkennung als historiographische Disziplin. Psychohistorie trägt der Tatsache Rechnung, dass der Mensch nicht nur eine biologische und soziale, sondern auch eine psychologische Dimension besitzt und dass den psychischen Dispositionen für das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen im sozialen Zusammenhang erhebliche Bedeutung zukommt. Psycho-Historie bedeutet, dass der Historiker zur Deutung menschlichen Verhaltens in der Geschichte auf die Hilfe psychologischer Methoden und Theorien zurückgreift. Dabei bieten sich verschiedene Theorien an, wo es jedoch um die Erklärung scheinbar widersprüchlicher oder unverständlicher Handlunsgweisen, Gefühle und Reaktionen geht, wo also unbewusste Strukturen vermutet werden können, besteht eine gewisse Affinität der Psychohistorie zur Psychoanalyse.
Obwohl die Psychoanalyse bei ihren Kritikern im Verdacht steht, eine Individualpsychologie in Bezug auf den einzelnen, noch dazu psychisch kranken Menschen zu sein, hat sie sich doch längst zu einer kulturkritischen Methode entwickelt, die im Rahmen einer um die Psychohistorie erweiterten Sozialgeschichte die kollektiven Prägungen einer Gruppe oder Gesellschaft verständlich machen kann. Damit ist die enge Beziehung der Psychohistorie zur Mentalitätsgeschichte angedeutet, auch wenn beide Disziplinen deshalb nicht unbedingt deckungsgleich sind.
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Publikationen:
Ursula von Rosenfeld und die Tragödie des Hauses Baden. Gernsbach 2010.
|  | Zur Spaltung revolutionärer Bewegungen in „Gemäßigte“ und „Radikale“. In: Winfried Kurth/Martin Rheinheimer (Hgg), Gruppenfantasien und Gewalt. Jahrbuch für Psychohistorische Forschung Bd. 1. Heidelberg 2001, S. 47-59.
|  | Leitung eines Workshops „Warum Psychohistorie?“ im Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam 20. Sept. 2000
|  | Zur Biographik der „kleinen Leute“. In: Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler (Hgg.), Biographieforschung und Stadtgeschichte. Lemgo in der Spätphase der Hexenverfolgung. Bielefeld 2000, S. 29-43.
|  | Hexenforschung und Psychoanalyse. Versuch einer Annäherung an des Pudels Kern. Ebd. S. 325-343.
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| Die „Selbstanalyse“ des Arztes Felix Platter (1536-1614). In: Ralph Frenken/Martin Rheinheimer (Hgg.), Die Psychohistorie des Erlebens (PsychoHistorische Forschungen 2). Kiel 2000, S. 303-324.
|  | Die 48er Revolution in Hohenzollern mentalitätsgeschichtlich betrachtet. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 35 (1999), S. 93-100.
|  | Im Schatten des „größeren“ Bruders. Eine psychohistorische Studie zum Geschwisterverhältnis von Nicodemus und Jakob Frischlin. In: Nicodemus Frischlin (1547-1590). Poetische und prosaische Praxis unter den Bedingungen des konfessionellen Zeitalters (Arbeiten und Editionen zur Mittleren Deutschen Literatur 1). Hg. von Sabine Holtz und Dieter Mertens. Stuttgart-Bad Cannstatt 1999, S. 201-259.
|  | Die Autobiographie von Thomas Platter (1499-1582). Ein psychoanalytischer Beitrag zur Biographik des 16. Jahrhunderts. In: Hedwig Röckelein (Hg.), Biographie als Geschichte (Forum Psychohistorie 1). Tübingen 1993, S. 248-279.
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